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Kultur

Kultur in Israel

Als großes Einwanderungsland und Gesellschaft der zweiten Einwandergeneration hat Israel in seinem kreativen Ausdruck viele verschiedene kulturelle und soziale Strömungen aufgenommen. Die Traditionen jeder Gruppe stehen nicht nur in ständigem Wettstreit miteinander, sondern haben sich auch mit der jüngeren Geschichte des Landes und dem Leben im Nahen Osten auseinanderzusetzen. Die fortwährende Suche nach kultureller Identität findet ihren Ausdruck in der Kreativität, die sich in einer bunten Vielfalt von Kunstformen äußert und von der Bevölkerung sehr geschätzt wird.

Israels internationale Kulturbeziehungen konzentrieren sich auf die Zusammenarbeit in einem breiten Spektrum von kulturellen Bereichen, zu denen unter anderem Sprache, Literatur, Kunst, Wissenschaft, Medien und Sport zählen. Auf der Grundlage offizieller kultureller Übereinkommen mit mehr als 70 Ländern und Verbindungen zu zahlreichen weiteren Ländern gibt es Austauschprogramme für Studenten und Wissenschaftler, wechselseitige Tourneen von Tanzgruppen, Gastspielreisen von Theatergruppen, Kunstausstellungen, Gastkonzerte von Solisten und Orchestern, Begegnungen auf Buchmessen, Filmfestivals und Sportwettkämpfen.

Literatur

Neuhebräisch (Ivrith) ist die Sprache Israels. Obgleich seit etwa 2000 Jahren im Alltag kein Hebräisch mehr gesprochen wurde, hat man es über die Jahrhunderte hinweg weiterhin als »heilige Sprache« in der Liturgie, Philosophie und Literatur benutzt. Im späten 19. Jahrhundert keimte Hebräisch als modernes kulturelles Medium wieder auf und wurde zu einem entscheidenden Faktor in der nationalen Erneuerungsbewegung, die im politischen Zionismus gipfelte. Während der britischen Mandatszeit (1918-48) wurde das Hebräische neben dem Englischen und Arabischen als eine der Amtssprachen des Landes anerkannt. So wurde der Gebrauch des Hebräischen auch in jüdischen Institutionen und im Erziehungswesen wieder eingeführt. Die hebräische Presse und Literatur erlebte ihre Blütezeit mit neuen Generationen von Autoren und Lesern. Heute ist Hebräisch eine reiche, lebendige Sprache. Der hebräische Wortschatz ist von etwa 8000 Wörtern in biblischen Zeiten auf mehr als 120000 Wörter im heutigen Hebräisch angewachsen. Die formale linguistische Entwicklung wird von der 1953 gegründeten Hebräischen Sprachakademie gesteuert. In den frühen 60er Jahren ging eine Gruppe von jüngeren und sehr einflussreichen Autoren wie A.B. Yehoshua, Amos Oz, Yoram Kaniuk und Yaakov Shabtai neue Wege und schuf eine hebräische Prosa, die durch die Abkehr von ideologischen Themen einen Wendepunkt markierte und durch die Konzentration auf die Welt des Individuums gekennzeichnet war. Während der nächsten beiden Jahrzehnte experimentierten die zeitgenössischen israelischen Autoren mit Erzählformen und verschiedenen Prosastilen wie psychologischem Realismus, Allegorie und Symbolismus und brachten ihre Kritik und Skepsis hinsichtlich Israels politischer und sozialer Konventionen in ihren Werken deutlich zum Ausdruck. Die 80er- und 90er Jahre wurden Zeugen eines explosionsartigen Ausbruchs von intensiver literarischer Aktivität. Die Zahl der publizierten Bücher wuchs stark an. Gleichzeitig erlangten viele israelische Schriftsteller internationale Bekanntheit und Anerkennung, vor allem: Oz, Yehoshua, Kaniuk, Aharon Appelfeld, David Shahar, David Grossman und Meir Shale. Der Glaube an die Literatur als ein Mittel, das den Leser zum Verständnis seiner selbst als Individuum und als Teil seiner Umgebung führt, ist charakteristisch für diese Periode, die drei Generationen von zeitgenössischen Autoren umfasst. Bisher unberücksichtigte Themen wurden angegangen: das Milieu des arabischen Dorfes (Anton Shammas, ein arabisch-christlicher Autor); die Welt der ultraorthodoxen Juden, die sich bewusst von der modernen Gesellschaft abkapseln (Yossl Birstein); die Lebensart in den chassidischen Höfen Jerusalems (Chajim Be'er) und die Problematik der Existenz von Nichtgläubigen in einer Zeit, in der die säkularen Ideologien zusammenbrechen und der religiöse Fundamentalismus immer mehr an Macht und Einfluss gewinnt (Yitzhak Auerbach-Orpaz). Ein anderes entscheidendes Thema, welches einige israelische Autoren sephardischer Prägung aufgreifen, ist das Problem der Integration fremder Immigranten aus arabischen Ländern bzw. ihr Platz in der israelischen Gesellschaft (Sami Michael, Albert Suissa, Dan Benaya-Seri). Andere Autoren befassen sich mit allgemeinen Themen wie Demokratie und Gerechtigkeit im Kontext einer Gesellschaft, die in den meisten Bereichen ihres nationalen Lebens ständig neuen Herausforderungen ausgesetzt ist (Yitzhak Ben Ner, Kaniuk, Grossman, Oz). In den letzten Jahren erlangten eine Reihe von bedeutenden Autorinnen große Bekanntheit, darunter Amalia Kahana-Carmon, Chana Bat Shachar, Shulamit Hareven, Shulamit Lapid, Ruth Almog, Savion Leibrecht, Batya Gur u.a. Sie schreiben nicht nur über allgemeine Themen, sondern ihnen liegt vor allem die Welt der Frauen am Herzen. Sie schildern die Welt der israelischen Frauen, die sich ihres Platzes in der jüdischen Tradition und ihrer Rolle in der zionistischen Bewegung bewusst sind. Lapid und Gur ließen sich auch auf die Literaturgattung Kriminalroman ein und ernteten viel Beifall in Israel und über die Landesgrenzen hinaus.

Bildende Kunst

Organisiertes künstlerisches Schaffen begann in Israel 1906, als Professor Boris Schatz (1867-1932) von Bulgarien nach Israel einwanderte und die Bezalel-Akademie für Kunst und Kunsthandwerk (»Bezalel Academy of Arts and Crafts«) in Jerusalem gründete und damit einen Plan in die Tat umsetzte, der beim Zionistenkongress 1905 dazu aufgerufen hatte, talentierten jungen Juden ein Kunststudium in Israel zu ermöglichen. 1910 hatte die Akademie 32 verschiedene Abteilungen, 500 Studenten und die gesamte jüdische Welt als Markt für ihre Werke

Mit der Einwanderung jüdischer Künstler aus Deutschland, die Mitte der 30er Jahre dem aufkommenden Naziterror entflohen, kam der deutsche Expressionismus nach Israel.

Zu dieser Gruppe von Flüchtlingen gehören Hermann Struck, Mordechai Ardon und Jakob Steinhardt. Sie schlossen sich mit den in Deutschland geborenen Künstlern Anna Ticho und Leopold Krakauer zusammen, die bereits 20 Jahre zuvor nach Jerusalem gekommen waren, und widmeten sich der subjektiven Interpretation der Landschaft Jerusalems und seiner umliegenden Berglandschaft. Insbesondere durch die damaligen Direktoren der Bezalel-Kunstakademie, Ardon und Steinhardt, unter deren Führung eine neue Künstlergeneration heranreifte, leisteten die deutschstämmigen Künstler einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der israelischen Kunst.

Der Bruch mit Mitteleuropa während des 2. Weltkrieges und das Trauma des Holocausts veranlassten einige Künstler, darunter Moshe Castel, Jitzhak Danziger und Aharon Kahana, sich der damals entstehenden »kanaanitischen« Ideologie anzuschließen, die eine Identifikation mit den Ureinwohnern des Landes sowie die Schaffung eines »neuen hebräischen Volkes« mittels der Wiederbelebung alter Mythen und heidnischer Motive anstrebte. Der Unabhängigkeitskrieg von 1948 führte andere Künstler wie Naftali Bezem und Avraham Ofek zur Entwicklung eines militanten Stils mit einer klaren sozialen Botschaft. Die wichtigste Richtung jener Periode war die Gruppe »Neue Horizonte«, die sich zum Ziel setzte, die israelische Malerei von ihrem provinziellen Charakter zu befreien und ihr Anschluss an die zeitgenössische europäische Kunst zu verschaffen.

Die Künstler der 60er Jahre bildeten das Bindeglied zwischen den künstlerischen Aktivitäten der Gruppe »Neue Horizonte« und der Kunst der 70er Jahre mit ihrer Suche nach Individualität. Streichman und Stematsky, beide Lehrer am Avni-Institut in Tel Aviv, hatten einen prägenden Einfluss auf eine zweite Generation von Künstlern, darunter Raffi Lavi, Aviva Uri, Uri Lifschitz und Lea Nikel, die auf ihrer Suche nach einer persönlichen Bildersprache der zarten Pinselführung des lyrischen Abstraktionismus pluralistische Werke entgegenstellten. An der Bezalel-Akademie war der Einfluss Ardons unleugbar und offenbarte sich - besonders im Hinblick auf die von ihm verwendeten Themen und Techniken - ganz deutlich in den Werken von Avigdor Arikha, der eine Welt der Formen entwickelte, die mit geistiger Bedeutung geladen war sowie in den Werken surrealistischer Maler wie Yossel Bergner und Samuel Bak, die zu figurativen Motiven zurückkehrten, die an Holocaust und traditionelle jüdische Themen erinnerten.
Die Künstler der 80er- und 90er Jahre, integrieren bei ihrer scheinbaren Suche nach Inhalt und einem Sinn für den Geist Israels ein breites Spektrum von Materialien, Techniken und Bildern, die auf den Buchstaben des hebräischen Alphabets und den menschlichen Gefühlen von Stress und Angst basieren können. Gegenwärtige Trends - wie sie in den Werken von Pinhas Cohen-Gan, Deganit Beresht, Gabi Klasmer, Tsibi Geva, Tzvi Goldstein, David Reeb zu beobachten sind - gehen weiter in Richtung einer Ausweitung der Definition von israelischer Kunst.

Unter dem Einfluss der französischen Schule und des Expressionismus sowie unter Benutzung eines breiten Spektrums von Materialien kreieren zeitgenössische Künstler Einrichtungen und Umweltskulpturen, in denen sie ihre individuellen Reaktionen auf soziale und politische Realitäten zum Ausdruck bringen. So verkörpern die Werke von Jigal Tumarkin ein kraftvolles Formen- und Symbolspiel und artikulieren durch geometrische und figurative abstrakte Formen seinen Protest gegen den Krieg, wogegen der Trend zum geometrischen Minimalismus bei Menashe Kadishman besonders ausgeprägt ist, der mit Symbolen von Schafen gleichzeitig die Vorstellung eines ländlichen, pastoralen und eines persönlichen Mythos des hilflosen Opfers hervorruft.
Israelische Bildhauer wie Tumarkin,Karavan, Kosso Eloul und Israel Hadany, deren Werke man in öffentlichen und privaten Ausstellungen im Ausland bewundern kann, haben internationale Anerkennung gefunden.

Musik

Im Gegensatz zu den meisten seiner Nachbarstaaten ist Israel eines der aktivsten Musikzentren der Welt. Ein blühendes klassisches Musikleben basiert auf den Talenten zahlreicher Komponisten und Tausender von Berufsmusikern. Durch die Einwanderergesellschaft in Israel ist ein einzigartiges und dynamisches Genre der Volksmusik entstanden.

Das Palästina-Sinfonieorchester (heute das Israelische Philharmonieorchester), das auf Initiative des berühmten polnischen Violinisten Bronislaw Huberman gegründet wurde, gab 1936 in Tel Aviv unter dem Dirigenten Arturo Toscanini sein erstes Konzert. Es wurde augenblicklich zu einem der Angelpunkte des israelischen Musiklebens und erwarb sich mit den Jahren einen internationalen Ruf als eines der hervorragendsten Orchester der Welt. Kurze Zeit später wurde ein Rundfunkorchester (heute das Jerusalemer Sinfonieorchester) gegründet, dessen Rundfunkkonzerte Zehntausende von Zuhörern begeisterten. Im Laufe der Jahre wurden weitere Orchester wie das Israelische Kammerorchester, das Kleine Sinfonieorchester Be'er Sheva und Orchester in Haifa, Natanja, Holon, Ramat Gan und Rischon le Zion gegründet.

In den späten 80er Jahren begann die „Neue Israel Oper“ mit Aufführungen auf höchstem Niveau und löste - nachdem die Oper nach der Auflösung des ersten ständigen Opernensembles einige Jahre zuvor seine Anziehungskraft völlig verloren hatte - eine weitere Begeisterungswelle für die Oper unter der israelischen Bevölkerung aus.

Zu Beginn der 90er Jahre erlebte das israelische Musikleben mit dem Massenzustrom von über 700000 Juden aus der ehemaligen Sowjetunion eine starke Veränderung. Diese Masseneinwanderung brachte viele Berufsmusiker nach Israel, darunter Instrumentalisten, Sänger und Musiklehrer, deren prägender Einfluss sich in der Bildung neuer Symphonie- und Kammerorchester und kleinerer Ensembles äußerte. Schulen, Konservatorien und Gemeinschaftszentren wurden durch dynamisches Talent und musikalische Vitalität neu belebt.

Auch in anderen Bereichen kulturellen Schaffens und kreativer Ausdrucksformen , etwa auf den Gebieten der künstlerischen Fotografie oder Architektur, des Theaterschaffens, von Tanz und Ballett, der Film- und Videoproduktion ist die Produktivität unter den Staaten des Nahen Ostens einzigartig.

Weitere Details können Sie unter nachfolgender Internetadresse finden:

http://www.mfa.gov.il/mfa/go.asp?MFAH0ehv0

Schulen und Hochschulen

Bereits zum Zeitpunkt der Staatsgründung im Jahre 1948 existierte ein voll funktionierendes Bildungssystem, das von der jüdischen Gemeinschaft während der britischen Mandatszeit aufgebaut und beibehalten worden war. Die hebräische Sprache, die schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts als Umgangssprache wiederbelebt worden war, war in allen Bildungsstätten in Gebrauch.
Doch seit der Staatsgründung stand das Schulsystem immer wieder vor der enormen Herausforderung, eine große Anzahl von immigrierten Kindern aus über 70 verschiedenen Ländern - einige kamen mit ihren Eltern, andere allein - zu integrieren. Auf diese Weise erfüllte sich Israels raison d'être als das historische Heimatland des jüdischen Volkes. Den Massenimmigrationen in den 50er Jahren - hauptsächlich waren es Einwanderer aus dem Nachkriegseuropa und arabischen Ländern - folgte in den 60er Jahren ein starker Zustrom von Juden aus Nordafrika. In den 70er Jahren traf die erste große Einwanderungswelle von Juden aus der Sowjetunion ein. Weitere kleinere Einwanderergruppen kamen von dort später schubweise nach. Seit der Auflösung der Sowjetunion 1989 haben über eine halbe Million russischer Juden Israel zu ihrem Heimatland gemacht. Immer noch treffen jedes Jahr Zehntausende von jüdischen Immigranten aus der Sowjetunion in Israel ein. In zwei Massenimmigrationen, 1984 und 1991, wurde fast die gesamte alte jüdische Gemeinde von Äthiopien nach Israel gebracht. Im Laufe der Jahre siedelten sich auch viele Juden vom amerikanischen Kontinent und anderen Teilen der freien Welt in Israel an.

Die multikulturelle Struktur der israelischen Gesellschaft spiegelt sich in dem pluralistischen Schulsystem wider, dementsprechend sind die Schulen in vier Gruppen unterteilt:

Staatliche Schulen, die von den meisten Schülern besucht werden. Staatlich-religiöse Schulen, die jüdische Studien, jüdische Kultur und Tradition besonders in den Vordergrund rücken. Arabische und drusische Schulen mit der Unterrichtssprache Arabisch, die besonderes Gewicht auf arabische und drusische Geschichte, Religion und Kultur legen.

Höhere Bildung spielt eine Schlüsselrolle in der ökonomischen und sozialen Entwicklung des Landes. Beinahe ein Vierteljahrhundert vor der Staatsgründung Israels wurde das Technion - das Israelische Institut für Technologie in Haifa eröffnet (1924), um Ingenieure und Architekten auszubilden, die man dringend für den Wiederaufbau des Landes benötigte. 1925 wurde die Hebräische Universität in Jerusalem als Hochschulzentrum für die Jugend im Land Israel und als Sammelpunkt für jüdische Studenten und Gelehrte aus dem Ausland gegründet. Als Israel 1948 die Unabhängigkeit erlangte, waren an beiden Hochschulen zusammen ca. 1600 Studenten eingeschrieben. Heute besuchen ungefähr 176000 Studenten die Hochschuleinrichtungen in Israel. Davon sind 109000 Studenten an Universitäten eingeschrieben, 41000 besuchen Colleges, während 30000 an Kursen der Offenen Universität teilnehmen.

Alle Hochschulen haben gesetzlich garantierte, volle akademische und administrative Freiheit und sind offen für alle Bewerber, die die Aufnahmebedingungen erfüllen. Neueinwanderer und nicht hinreichend qualifizierte Studienplatzbewerber können ein besonderes Vorbereitungsprogramm besuchen, das sie nach erfolgreichem Abschluss dazu befähigt, die Zulassung zum Studium an einer Hochschule zu beantragen.

Weitere Details zum israelischen Bildungssystem oder zu den Studienmöglichkeiten an den Universitäten Israels können Sie unter nachfolgender Internetadresse finden:

http://www.mfa.gov.il/mfa/go.asp?MFAH0ehv0