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Gesellschaft und Wirtschaft in Israel+

Vielfalt und Spannungen

Israel ist die Heimat einer ethnisch, religiös, kulturell und sozial äußerst vielfältigen Bevölkerung. Es ist eine aus uralten Wurzeln neu entstandene und immer noch im Entstehen begriffene und zu einer Einheit verschmelzende Gesellschaft. Von den über 6 Millionen Einwohnern sind 79,8% Juden; über die Hälfte davon wurden im Land geboren, während die anderen aus ca. 70 Ländern aus aller Welt stammen. 16,8% sind Araber (die meisten davon Muslime), die übrigen 1,7% Drusen, Tscherkessen und andere kleinere Minderheiten. Mit einem Durchschnittsalter von 27 Jahren ist die Bevölkerung recht jung. Soziale und religiöse Bindungen, politische Ideologie, wirtschaftliche Findigkeit und kulturelle Kreativität tragen dynamische Impulse zu ihrer stetigen Entwicklung bei.

Die heutige jüdische Gesellschaft in Israel setzt sich aus praktizierenden und nichtpraktizierenden Juden zusammen und umfasst ein breites Spektrum von Ultraorthodoxen bis hin zu Menschen, die sich als säkular bezeichnen. Die Unterschiede zwischen ihnen sind jedoch nicht so leicht fest zu machen. Wenn Orthodoxe nach dem Grad der Befolgung der jüdischen Religionsgesetze definiert werden, dann erfüllen 20% der Bevölkerung alle religiösen Vorschriften, 60% halten je nach persönlicher Neigung und ethnischer Tradition die einen oder anderen Gesetze, und die restlichen 20% sind nichtpraktizierend. Da Israel als jüdischer Staat gedacht war, sind der Sabbat (Samstag) und alle jüdischen Fest- und Feiertage nationale Feiertage und werden von der gesamten jüdischen Bevölkerung gefeiert und von Allen mehr oder weniger eingehalten.

Die Erringung der politischen Unabhängigkeit und die nachfolgende Masseneinwanderung, die die Bevölkerungszahl in den ersten vier Jahren der Eigenstaatlichkeit (1948-1952) verdoppelte und von 650000 auf etwa 1,3 Millionen hochschnellen ließ, veränderten die Struktur der israelischen Gesellschaft. Es bildete sich eine soziale Gruppierung aus zwei Hauptelementen: eine Mehrheit aus alteingesessenen Siedlern und Überlebenden des Holocausts, überwiegend aus dem Nachkriegseuropa, und eine recht große Minderheit frisch eingewanderter Juden aus den islamischen Ländern Nordafrikas und des Nahen Ostens. Während für den Großteil der Einwohner, die vor der Staatsgründung in Israel lebten, unerschütterliche ideologische Überzeugungen, Pioniergeist und eine demokratische Lebensweise selbstverständlich waren, hielten viele der Juden, die jahrhundertelang in arabischen Ländern gewohnt hatten, an patriarchalischen Gesellschaftsstrukturen fest. Demokratische Prozesse und die Anforderungen einer modernen Gesellschaft waren ihnen völlig fremd. Es fiel ihnen schwer, sich an Israels schnell wachsende Wirtschaft anzupassen.
Ende der 50er Jahre lebten die beiden Gruppen praktisch isoliert, ohne soziale oder kulturelle Interaktion, nebeneinander her. Die Juden aus Nordafrika und dem Nahen Osten machten ihrer Frustration und Entfremdung durch regierungsfeindliche Proteste Luft, die in den 60er und 70er Jahren zu Forderungen nach politischer Mitbestimmung, Ausgleichszahlungen und verstärkter Unterstützung zum Abbau der Unterschiede zwischen ihnen und der Mehrheit der Israelis wurden. Zusätzlich zu den durch die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen hervorgerufenen Spannungen musste sich Israel in jenen Jahren mit dem Kampf um wirtschaftliche Unabhängigkeit und mit militärischen und terroristischen Aktionen arabischer Nachbarstaaten auseinandersetzen. Doch die gemeinsamen Nenner der Religion, der Geschichte und des nationalen Zusammenhalts innerhalb der jüdischen Gesellschaft erwiesen sich diesem Druck als gewachsen.

Anfang der 80er Jahre waren die Protestbewegungen, die einst Schlagzeilen gemacht hatten, kein Thema mehr und die bisherigen Randgruppen überall im Aufsteigen begriffen. Ein hoher Prozentsatz aller Ehen werden jetzt zwischen den ethnischen Gruppen geschlossen. Nach einem halben Jahrhundert der Unabhängigkeit ist die Wirtschaft Israels stark und die Gesellschaft stabil, Zeugnis einer auf Verständnis zwischen den unterschiedlichen Gruppen gegründeten politischen Kultur, die ihren grundlegenden Werten treu geblieben ist: dem Aufbau eines jüdischen Staates in seiner alten Heimat, einer demokratischen Regierungsform, fortdauernder Einwanderung und des Strebens nach Frieden mit den Nachbarländern. Dessen ungeachtet gehört ethnische Vielfalt zur israelischen Gesellschaft und betrifft alle Bereiche des kulturellen, religiösen und politischen Lebens. Einst als Bedrohung für den Zusammenhalt empfunden, gelten die sozialen Spannungen heute als Beitrag zu einer pluralistischen Gesellschaft.

Wachstum und Stagnation

Die »Sammlung der Zerstreuten« ist der Daseinszweck des jüdischen Staates. Seit seiner Unabhängigkeit hat Israel über 2,6 Millionen Einwanderer aufgenommen - fast das Vierfache der jüdischen Bevölkerung zur Zeit der Staatsgründung 1948. Allein in den ersten vier Jahren verdoppelte sich durch den Zustrom von 700000 Einwanderern - meist Flüchtlinge aus Europa und den arabischen Ländern - die Bevölkerung des Landes. In den 90er Jahren beschleunigte eine weitere Einwandererwelle (etwa 800000, zumeist aus der ehemaligen Sowjetunion) das Wachstum des BIP, obwohl dadurch auch die Arbeitslosenquote im Jahr 1992 auf 11,2% kletterte, 1997 jedoch wieder auf 7,7% gesenkt werden konnte.

In den ersten 25 Jahren seiner Existenz musste der junge Staat mehrere Massen-einwanderungswellen aufnehmen, eine moderne Wirtschaft aufbauen, vier Kriege führen und seine Sicherheit schützen - und erreichte trotzdem ein durchschnittliches Wachstum des BIP von ca. 10% pro Jahr. Dieses »Wirtschaftswunder« wird allgemein auf die Nutzung der in diesen Jahren empfangenen Wirtschaftshilfen zurückgeführt, die massive Produktionsinvestitionen ermöglichten. Die außerordentlich rasche und erfolgreiche Eingliederung der Neueinwanderer sowohl in die Gesellschaft als auch ins Arbeits- und Wirtschaftsleben trug hierzu ebenfalls wesentlich bei. Zwischen 1973 und 1979 sank die Wachstumsrate (wie in fast allen Industrieländern, zum Teil aufgrund der Ölkrisen von 1973/74 und 1979/80) auf durchschnittlich 3,8% pro Jahr. In den 80er Jahren ging sie sogar auf 3,1% zurück. Seit 1990 beläuft sich die Wachstumsrate auf durchschnittlich 6%. 1997 betrug das gesamte BIP etwa 98.5 Milliarden US-Dollar ($ 16950 pro Kopf), eine Zunahme um das 25fache seit 1950..

In den 90er Jahren erreichte Israel mit einem Durchschnitt von 5,6 % von 1990-93 und von 6,8 % von 1994-95 die höchste Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aller OECD-Staaten. Mit einem BIP von mehr als $ 16950 ($ = US-Dollar) nimmt Israel unter 200 Ländern der Welt Platz 21 ein. Das kleine Land mit einer Bevölkerung von ca. 6,3 Millionen Menschen nimmt auf mehreren Gebieten der industriellen und landwirtschaftlichen Produktionskapazität und der Exporte eine herausragende Position im internationalen Wettbewerb ein. Freihandelsabkommen mit Europa (der Europäischen Union und der Europäischen Freihandelszone) und den Vereinigten Staaten erleichtern Israels Exporte in Höhe von 32.5 Milliarden US-Dollar sowie seine Beteiligung an internationalen Wirtschaftsunternehmen und tragen seit 1990 zu einer Wachstumsbeschleunigung im Land bei.
Vor allem bedingt durch die immer neuen Terroranschläge der letzten fünf Jahre und das damit durch die meisten Medien in der Welt verbreitete Bild wachsender Unsicherheit im Lande ist der Tourismus, einer der wichtigsten Wirtschaftzweige Israels, in eine empfindliche Krise geraten. Dies und die schwächelnde Weltwirtschaft haben auch die israelische Ökonomie erheblich unter Druck gebracht. Zusätzlich sorgt ein insbesondere in weiten Teilen Europas verbreitetes israelfeindliches Bild dafür, dass insbesondere auch exportorientierte Unternehmen massiv unter den in einigen Ländern Europas aktiven antiisraelischen Boykottinitiativen zu leiden haben. Die an und für sich sehr innovative und leistungsfähige Wirtschaft Israels steckt daher gegenwärtig in einer schwierigen, nicht ausschließlich hausgemachten Stagnationsphase.

Weitere Details zur israelischen Gesellschaft und Wirtschaft können Sie unter nachfolgender Internetadresse finden:

http://www.mfa.gov.il/mfa/go.asp?MFAH0ehv0